Ausbildungsinhalte


ipk  Ein zentraler Theoriehintergrund der Psychoanalytischen Kunsttherapie (PK) ist die Psychoanalyse. In dem vierjährigen Ausbildungsgang werden sowohl die metapsychologischen Grundannahmen als auch die sogenannte „Technik“ der Psychoanalyse vermittelt. In kritischer Reflexion beider Perspektiven wird dabei stets der Ertrag der Psychoanalyse für die Kunsttherapie bedacht. Dabei werden auch kultur- und kunsttheoretische Positionen der Psychoanalyse ausführlich in die Reflexion einbezogen.
Die Psychoanalyse als Konfliktpsychologie versteht die Persönlichkeit als das Ergebnis von unbewussten bzw. unbewusst gewordenen Konflikten. Vor diesem Hintergrund ist auch die Krankheitslehre der Psychoanalyse (Neurose als Ausdruck eines unbewussten Konflikts) zu verstehen. Das Ziel der Psychoanalyse ist allerdings nicht die Eliminierung der Konflikte, sondern deren produktive Wendung durch Bewusstwerdung. Diese eröffnet eine Befreiung von internalisierten Zwängen und begünstigt damit Selbstbestimmung und Emanzipation. Mit Freud geht es letztlich darum, wieder „Herr im eigenen Haus“ zu werden.

ipk  In der Aus- und Weiterbildung des IPK Hannover umfasst der Ausbildungsbereich Kunst (K) ca. 110 Stunden (zu 45 Minuten). In den ersten zwei Jahren (Grundkurs) gibt es praktisch an jedem Ausbildungswochenende eine Arbeitseinheit Kunst zu 4 x 45 Minuten. In diesem Zeitrahmen sind theoretischer Unterricht (ästhetische Theorie, Entwicklung der Moderne) und praktische Anwendung der jeweils thematisierten Techniken und Methoden ineinander verwoben. Zugleich wird damit der Umgang mit unterschiedlichen Materialien eingeübt. Die Vermittlung künstlerischer Darstellungstechniken und die kontinuierliche Betreuung der individuellen Arbeitsschritte stehen im Dienst der Entwicklung einer persönlichen Ausdrucksform.
Künstlerinnen mit einer umfassenden künstlerischen Ausbildung (Hochschule, Akademie, Kurse u.a.m.) wird ein Durchlaufen der ihnen scheinbar – und nur scheinbar- vertrauten Grundlagen zugemutet: sie werden erleben, dass das kontinuierliche Arbeiten in einer festen, aber in sich vielfältigen Gruppe, an einem anderen Ort, unter einer erfahrenen und kenntnisreichen Anleitung ihnen unvermutete Bereiche erschließt und in überraschende Zusammenhänge weiterführt.
Eine Besonderheit der künstlerischen Weiterbildung am IPK geht es nicht um den psychologisch-therapeutischen liegt darin, dass sie in Absehung von psychologischen und/oder therapeutischen Sichtweisen, Analysen und Einschätzungen durchgeführt wird. Es geht zwar auch um „Selbsterfahrung“, aber in einem sehr anderen Sinn als in den kunsttherapeutischen Selbsterfahrungseinheiten, die ebenfalls ins Programm der Ausbildungswochenenden gehören.


ipk Kunsttherapeutische Supervision (S) bezieht sich auf das Arbeiten/die Arbeiten der Studierenden im aus- und weiterbildungsbegleitenden Behandlungspraktikum (P). Dabei sind zwei parallel verlaufende Supervisionen zu unterscheiden:

interne Supervision wird in der Ausbildungsinstitution durch eine Kunsttherapeutin / einen Kunsttherapeuten durchgeführt.

externe Supervision findet in der Praktikumseinrichtung statt; falls dort keine fachlich geeignete Person gestellt werden kann, sollte zumindest ein Teil des Praktikums von einer kunsttherapeutisch ausgebildeten Fachkraft supervisorisch begleitet werden.

Das kunsttherapeutische Behandlungspraktikum findet in einer Institution (Klinik, Rehaeinrichtung, psychosoziale Beratungsstelle, Arztpraxis u.a.) statt. Bei der Vermittlung der Praktikumsplätze ist das IPK im Bedarfsfall behilflich. In der Supervision stellen die Studierenden jeweils die Verläufe und Ergebnisse ihrer Praktikumsarbeit vor. Ziel der internen Supervision ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Arbeitsmethoden und –stilen, die durch Darstellung und Nachfragen geklärt werden sollen. Da es sich in den meisten Fällen um Einzelsupervision handelt, die jedoch in einer meist aus ca. vier Studierenden bestehenden Gruppe durchgeführt wird, können Einfälle und Nachfragen vonseiten der Mitstudierenden durchaus erwünscht und bereichernd sein für alle Beteiligten.
Gleichlaufend mit der Auseinandersetzung, die das Arbeiten am Praktikumsort zum Gegenstand hat, wird in der internen Supervision versucht, die unbewusste Dynamik von Selbst- und Beziehungserleben zugänglich zu machen.


ipk  Selbsterfahrung in Kleingruppen (SE) mit Methoden der psychoanalytischen Kunsttherapie und des Ausdrucksmalens
In den ersten drei Jahren der Weiterbildung findet an jedem Ausbildungswochenende ein vierstündiger Block Selbsterfahrung in einer festen Gruppe statt. Dabei werden beide obengenannten Methoden in der Hälfte der Ausbildungszeit gewechselt, so dass beide etwa gleich lang erfahren werden. In der Selbsterfahrung mit den Methoden psychoanalytischer Kunsttherapie wird zum Teil thematisch gearbeitet und dabei Methoden und Materialien verwendet, die auch im klinischen Alltag realisierbar sind. Es werden Erfahrungen im Gruppenprozess gemacht, aber auch Einzelarbeit in der Gruppe praktiziert. Die gemachten Erfahrungen werden gemeinsam in der Gruppe reflektiert und die Möglichkeiten der Umsetzung in der praktischen klinischen Arbeit besprochen.

ipk Ausdrucksmalen (AM) ist ein begleiteter Malprozess, bei dem großformatig mit hochwertiger Gouachefarbe ohne Themenvorgabe gearbeitet wird. Ausdrucksmalen ist eine Spezialform der Kunsttherapie.
Beim Malen an der Malwand können Bilder aus der Bewegung entstehen, was den Zugang zu im Körpergedächtnis gespeicherten Erlebnissen und zu archetypischen Grundformen ermöglichen kann. Dieses Malen aus der Bewegung mit den leuchtenden körperhaften Farben ermöglicht sinnlich nährende Erlebnisse und gibt die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.


Das ausbildungsbegleitende Mal-Tagebuch ist ein wichtiger Bestandteil der Auseinandersetzung mit der eigenen Entwicklung und dem eigenen gestalterischen Ausdruck. Dabei wird die Gestaltung des Tagebuchs in Form und Größe den Studierenden überlassen. Es wird empfohlen, sich regelmäßig am besten täglich darin gestalterisch auszudrücken und auszuprobieren, gerade auch dann, wenn kein Impuls und keine Idee zu einer Gestaltung vorhanden ist. Das Tagebuch ist natürlich intimer Besitz der Studierenden und wird nicht eingesehen.


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